Gefahren am Wegesrand VI: Giftköder

Beitrag kommentieren Ein Beitrag von Beagle Barnie

Ein Horrorszenario für alle Hundebesitzer: Eben noch hat Mischlingsrüde Terry fröhlich herumgetollt, jetzt kommt er aus dem Gebüsch heraus, zittert, hustet, würgt, krampft sich zusammen und schwankt: Ein Giftköder kann die Ursache sein, auch wenn Sie nicht einmal bemerkt haben, dass Ihr Vierbeiner etwas gefressen hat. Bei Verdacht auf eine Vergiftung muss auf jeden Fall sofort gehandelt werden.

Richtig reagieren

Erste Hilfe heißt bei so dramatischen Anzeichen vor allem: sofort telefonisch beim Tierarzt anmelden und dann so schnell wie möglich dorthin fahren. Versuche außerdem, Reste vom Gefressenen oder Erbrochenen aus dem Maul zu entfernen. Die wichtigste Regel für den Helfer ist: Gefährde dich nicht selbst! Berühre den verdächtigen Stoff auf keinen Fall direkt, sondern nimm eine Plastiktüte (Hundekotbeutel) oder notfalls ein Tuch oder Ähnliches. Manche Gifte sind Kontaktgifte und gelangen über die Schleimhaut oder kleine Hautverletzungen in den Körper! Rechne auch mit ungewöhnlichem Verhalten deines Lieblings, er könnte dich bei einem Beißkrampf heftig verletzen. Dann könnte es passieren, dass du erst verarztet werden musst und dein Vierbeiner noch später Hilfe bekommt.

Versuche nicht, selbst Erbrechen herbeizuführen. Erstens ist das Tier ist bereits geschwächt, zweitens weißt du nicht was in dem Giftköder alles enthalten war. Bestimmte Gifte, Köder mit Rasierklingen oder anderen scharfen Gegenständen richten beim Hochwürgen noch viel schlimmeren Schaden an.

Achte aber darauf, dass dein Hund sich bei Krämpfen nicht selbst verletzen kann. Wenn er erbricht, fortwischen (Vorsicht-nicht direkt berühren) und darauf achten, dass die Atemwege frei sind. Wenn der Hund bewusstlos ist: auf der Seite liegend transportieren, Kopf gerade nach vorn strecken und den Rumpf etwas höher lagern, so dass Erbrochenes oder Blut abfließen kann und die Atemwege frei bleiben. Transportiere den Hund möglichst zu zweit, scheue nicht, Passanten um Hilfe zu bitten. Dies ist wirklich ein Notfall!

Was sonst zu tun ist

Brötchen als Köder: Hier wurden Pflanzenchutzmittel bzw. Rattengift als Gift verwendet. Das auffällig gefärbte Gift wurde im Inneren des Köders versteckt - Foto: CVUA Freiburg

Brötchen als Köder: Hier wurden Pflanzenchutzmittel bzw. Rattengift als Gift verwendet. Das auffällig gefärbte Gift wurde im Inneren des Köders versteckt – Foto: CVUA Freiburg

Sichere unbedingt Köderreste und Erbrochenes. Bitte eine Vertrauensperson das verdächtige Gebiet abzusuchen (bitte nicht Kinder schicken!). Als Giftköder wird alles verwendet, was Hunde gern fressen: Fleischwürste, Frikadellen, Fleischstücke, auch Brötchen, Käse oder Wurststücke. Auch wenn die Krankheitszeichen weniger dramatisch sind, kann akute Lebensgefahr bestehen. Gift ist nicht gleich Gift, und die Anzeichen können dementsprechend unterschiedlich sein. Deshalb ist der Weg zum Tierarzt immer der sicherste, wenn du gesehen hast, dass dein Hund etwas Verdächtiges gefressen hat. Aktivkohle kann als Erste-Hilfe-Mittel verabreicht werden. Sie bindet bestimmte Gifte und sorgt dafür, dass möglichst wenig vom Gift in den Körper aufgenommen wird. Gebe deinem Hund keine Milch oder Fette, das kann die Situation dramatisch verschlechtern.

Die häufigsten Gifte

Zu den häufigsten Giften in Ködern zählt zum Beispiel frei verkäufliches Rattengift (innere Blutungen, Wirkung eventuell erst nach Tagen), ebenso aber längst verbotene Substanzen wie die gefährlichen Pflanzenschutzmittel E605 oder Carbofuran (Erbrechen, Durchfall, Muskelzuckungen, Atemlähmungen und schwere Krämpfe) oder verbotene Ratten- oder Taubengifte, die augenblicklich wirken (Erregung, Atemnot, Muskelzucken, Krämpfe). Auch Schneckenkorn (starke Verätzungen, Lungenödem, Atemlähmung, Kreislaufkollaps) wird zur böswilligen Vergiftung in Köder verpackt. Ebenso findet man Abführmittel (unerklärlicher Durchfall) oder Schlaftabletten (auffallende, zunehmende Schläfrigkeit, Bewusstlosigkeit) in den präparierten Futterhäppchen.

Manche Gifte wirken sofort, andere erst nach einer längeren Zeit oder wenn sie mehrmals gefressen wurden. Das Rattengift Cumarin hat diese heimtückische Langzeitwirkung, es lässt die Ratten innerlich verbluten. Genauso ergeht es unseren Hunden, besonders wenn sie mehrmals diese Köder fressen. Alarmzeichen sind Blut in Erbrochenem, Kot oder Urin oder kleine dunkelrote Punkte zum Beispiel im Maul.

Solche Krampennägel können dramatische innere Verletzungen verursachen. Weil Hunde ihr  Fressen herunterschlingen, schlucken sie die gefährlichen Teile einfach mit.

Solche Krampennägel können dramatische innere Verletzungen verursachen. Weil Hunde ihr Fressen herunterschlingen, schlucken sie die gefährlichen Teile einfach mit.

Oft werden Köder auch nicht mit Gift versetzt, sondern mit Rasierklingen, Angelhaken, Nadeln oder Nägeln. Schwerste innere Verletzungen, mit plötzlicher Blutung aus dem Maul oder After, oder innerlichem Verbluten können die Folge sein.

Böswillige Zeitgenossen haben leider viele Möglichkeiten entdeckt, unseren Hunden schweren Schaden zuzufügen. Selbst schnelle Hilfe kommt oft bereits zu spät – übe deshalb rechtzeitig mit deinem Hund, nichts Gefundenes zu fressen. „Augen auf beim Spaziergang“ – dieser Leitsatz sollte sich bei jedem Hundebesitzer in den Hinterkopf einbrennen. Solltest du verdächtige Köder finden, fotografiere zumindest den Fundort, warne andere, sammel den Fund (nur mit Handschuh oder anderem Schutz) ein und übergebe ihn der Polizei.

Terry, dem Pudelmischling, geht es übrigens glücklicherweise wieder gut. Nach 5 Tagen intensiver Behandlung konnten wir ihn wieder nach Hause entlassen. Nicht zuletzt, weil sein Frauchen sofort richtig und umsichtig reagiert hat.

Habt ihr auch schon mal einen Giftköder gefunden? Musstet ihr sogar schon mal zum Tierarzt deswegen? Erzählt uns eure Geschichte! E-Mail an: lisa@wir-lieben-hun.de

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