Gefahren am Wegesrand II: Tierkadaver

Beitrag kommentieren Ein Beitrag von Meike

Wenn der geliebte Vierbeiner, der am liebsten im Bett schläft und einem manchmal liebevoll über das Gesicht leckt, Tierkadaver zu seinem neuem Lieblingsfutter erklärt, empfinden wir das als besonders eklig. Und das aus gutem Grund, denn der Verzehr von Aas kann schnell einmal zu gesundheitlichen Problemen führen.

Tierkadaver – eklige Krankheitsrisiken

Warum genau sich Hunde des Öfteren über überfahrene oder am Wegesrand verendete Tiere hermachen, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Allerdings wird dieses Verhalten auch bei Wölfen beobachtet und ist daher wohl kein durch die Domestizierung entstandenes Problem. Mögliche Gründe könnten Mangelerscheinungen durch unausgewogenes Futter, der für Hunde angenehme Duft des toten Tieres, Verhaltensstörungen oder die Überdeckung des eigenen Geruchs als Schutz vor Feinden sein. Gesundheitliche Gefahren, die mit dem Aasfressen verbunden sind, sind in erster Linie Vergiftungen durch Rattengift und die Übertragung von Bakterien und deren Giften.

Rattengift – Der schleichende Tod

Das in Deutschland am häufigsten genutzte Mittel zur Rattenbekämpfung ist Cumarin. Wenn der Hund die vergiftete Ratte frisst, gelangt dieses Gift in seinen Magen-Darm-Trakt und von dort aus weiter in seinen Blutkreislauf. Dort führt es zu Gerinnungsstörungen und einer erhöhten Durchlässigkeit der Blutgefäße, was schwere innere Blutungen zur Folge hat. Das Perfide ist, dass die Wirkung erst viele Stunden bis Tage nach der Aufnahme einsetzt. Diese verzögerte Wirkung ist beabsichtigt, denn wenn Ratten direkt nach der Giftaufnahme sterben würden, würden ihre Artgenossen die Giftköder nicht mehr anrühren.

Die Krankheitsanzeichen bei einem vergifteten Hund sind abhängig von der aufgenommenen Giftmenge, wobei die wiederholte Aufnahme kleiner Mengen gefährlicher sein kann als das einmalige Fressen einer großen Menge.

Allgemeine Symptome sind blasse Schleimhäute, Teilnahmslosigkeit, Fressunlust und Erbrechen. Das spezifische Symptom bei einer Cumarinvergiftung ist eine starke Blutungsneigung, die sich durch Zahnfleischbluten, Nasenbluten, blutigen Husten und blutigen Urin und Kot äußern kann. Oftmals findet man auch vermehrt Blutergüsse und Petechien, kleine punktförmige Blutungen auf Schleimhäuten, z.B. am Auge oder am Zahnfleisch. Viel problematischer sind aber die inneren und für uns nicht sichtbaren Blutungen. So kommt es beispielsweise bei einer Lungenblutung zu einer hochgradigen Atemnot, die ohne Behandlung zum Tod durch Ersticken führt.

Was tun, wenn mein Hund eine Ratte gefressen hat?
Michael Niemand
Um die Aufnahme des Giftes in die Blutbahn zu verhindern, muss der Hund schnellstmöglich durch einen Tierarzt zum Erbrechen gebracht werden. Zusätzlich werden Abführmittel und Aktivkohle verabreicht, um das Gift aus dem Körper auszuschwemmen und seine Aufnahme im Magen und Darm zu hemmen. Sobald der Hund jedoch klinische Anzeichen der Vergiftung zeigt, muss umgehend eine Antidot-Therapie mit Vitamin K eingeleitet werden. Vitamin K führt dazu, dass die normale Blutgerinnung wieder hergestellt wird.

Neurologische Symptome durch Botulinumtoxin

Was Botulinumtoxin genau ist und wozu es führt, könnt ihr in unserem Artikel „Gefahren am Wegesrand I: Botulismus beim Hund“ nachlesen. Da das hochgefährliche Gift durch Tierkadaver in die Gewässer gelangt, kann sich der Hund durch die direkte Aufnahme von Aas als auch durch das Trinken des kontaminierten Wassers vergiften. Besonders in den warmen Sommermonaten vermehrt sich das Bakterium, welches das Botulinumtoxin bildet, extrem schnell in den toten Tieren. Durch das Gift kommt es zu Lähmungserscheinungen, die den Tod durch Atemlähmung nach sich ziehen. Daher muss bei Verdacht einer Botulinumvergiftung sofort eine Notfalltherapie erfolgen.

Leptospirose (Stuttgarter Hundeseuche)

Das Krankheitsbild der Leptospirose wird durch ein spezielles Bakterium, die Leptospiren, verursacht. Diese werden von unseren Hunden vor allem durch das Fressen von Aas und das Trinken von Wasser, das vorher mit Nagetier-Urin kontaminiert wurde, aufgenommen. Da es sich bei der Leptospirose um eine Infektionskrankheit handelt, die auch für den Menschen ansteckend ist, solltet ihr besonders vorsichtig sein, wenn euer Hund Symptome zeigt.
Joachim S. Müller
Abhängig von der Leptospiren-Art und dem Alter und Gesundheitszustand des Hundes kann es zu einer milden Symptomatik, aber auch zu einem sehr schlimmen Verlauf und sogar zum Tod durch Organversagen kommen. Die Symptome zeigen sich erst einige Tage nach Aufnahme der Bakterien. Unspezifische Symptome sind allgemeine Mattigkeit, Fressunlust, Fieber, Durchfall und Erbrechen. Bei einem schweren Krankheitsverlauf kann es zu Funktionseinschränkungen der Niere kommen, was sich oft durch blutigen Urin zeigt. Auch Leber und Lunge können betroffen sein, wodurch es zu Gelbsucht und Bluthusten kommt.
Die Therapie erfolgt über eine längere Antibiotikagabe und eine zusätzliche symptomatische Behandlung.

Impfung gegen Leptospirose

Die Leptospirose-Impfung gehört in Deutschland zu den Pflichtimpfungen für Hunde. Die Impfung schützt vor den vier in Deutschland häufigsten Leptospirenarten und die Grundimmunisierung beim Welpen erfolgt mit 8, 12 und 16 Wochen.
Um den Schutz dauerhaft zu gewährleisten, ist eine jährliche Auffrischung nötig.

Passt auf, dass euer Hund kein Aas frisst, um diese Erkrankungen zu vermeiden! Teilt diesen Beitrag, um auch über die Gefahr zu informieren!

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