Interview mit Ana Springfeldt: „Hund ist Hund!“

9 Antworten Ein Beitrag von Lisa

Ein Mensch der versagt, ein Hund reagiert. Der Mensch sagt, „Du bist böse!“. Schnell handeln! Eine Liste die definiert „Du bist Böse!“ Das ist die Lösung! Ein Bürokrat lacht, Job erledigt. Ein Hund weint. Andere schütteln mit dem Kopf. Ein „Kampfhund“, der nicht kämpfen möchte. Ein Stempel und eine Liste, mehr ist nicht nötig. Der Rassismus ist perfekt. Die Geschichte wiederholt sich.

Ich blicke mit Sorge
auf ein Land,
das einst für Freiheit und Gleichheit stand.
Wo sind der Dichter und Denker Erben?
Warum lasst Ihr Schuldlose verderben?ana springfeldt2
Ich blicke mit Trauer auf ein Land,
aus dem klares Denken verschwand.
Wo die Mehrheit verlogenen Parolen glaubt
und nicht auf gesunden Verstand vertraut.

Ich blicke mit Angst auf dieses Land,
Wo Rassismus wieder Zugang fand.
Wo Hass und Angst auferstehen
Und Minderheiten als Feindbild sehen.

Ich blicke voll leiser Hoffnung im Herzen,
Denn es gibt noch Menschen, die erkennen die Schmerzen,
der Wehrlosen, Verfolgten auf den Listen,
die hinter Gitter ihr Dasein fristen.

Ich blicke mit Sorge auf dieses Land,
aus dem Freiheit und Gleichheit verbannt.

Allen unschuldigen Opfern des Rassismus jeglicher Form gewidmet.
Ana Springfeldt, anlässlich der Demo in Hamburg am 30. Mai 2015

Ein Interview mit Ana Springfeldt, Fotografin, Journalistin und Mama von einem hübschen Hundemädchen namens Betsy.

Lisa: Ich nehme an, du hast selber einen Listi in deiner Familie? Warum gerade ein Listi und kein Labrador oder Pudel? Bist du mit Hunden aufgewachsen? Was war der ausschlaggebende Punkt, der dich dazu brachte, aktiv den Kampf gegen Rasselisten aufzunehmen? Bist du ehrenamtlich im Tierschutz tätig?

Ana: Ich hatte irgendwie immer mit Bollerköpfchen zu tun. Lange bevor es diese grotesken Listen gab. Leider habe ich auch das Inferno von Hamburg 2000 hier mitten im Hexenkessel hautnah erlebt und erlitten. Fakt ist, wir besitzen im Hamburger Landgebiet Haus und Hof. Trotzdem musste ich Hamburg verlassen und in das Gott sei Dank freie Niedersachsen umziehen. Für meinen Hund würde ich alles tun. Diskriminierung und Hetze können mir nichts anhaben. Obwohl ich oft weine, wenn ich diese Lügen lese oder höre. Sogar Familienmitglieder und Bekannte musste ich rigoros aus meinem Leben streichen. Ich ertrage keine Rassisten in meiner Nähe. Ich bin zum Glück keine Tierschützerin. Ich beobachte in den Kreisen zu viele Extremisten und pseudoreligiöse Eiferer. Ich unterstütze aber Aktionen durch fotografische Begleitung und deutliche Meinungsäußerung.
ana springfeldt2
Lisa: Du arbeitest selber als Journalistin, weshalb mich ebenfalls interessieren würde, wie du die Rolle der Medien in Bezug auf die „Listenhund-Problematik“ beurteilst. Im Jahr 2000 bissen ein Pit Bull und ein Staff ein Schulkind zu Tode, „Schock in Hamburg: Kampfhunde töten Schulkind“ titelte der Spiegel. Danach wurden vielerorts die Gesetze zur Haltung bestimmter Hunderassen verschärft, die Schlagzeilen zu „Kampfhunden“ in den Zeitungen und im Fernsehen schossen in die Höhe.

Wären nicht die Journalisten aufgrund ihrer meinungsbildenden Funktion in der Verantwortung gewesen, die verunsicherten Menschen aufzuklären? Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber auch ich habe mit enormen Problemen in Dresden zu kämpfen, obwohl meine beiden Hunde als „Mischlinge“ nicht auf der sächsischen Liste stehen. Dass Leute ständig die Straße wechseln, wenn sie mir begegnen, nehme ich schon gar nicht mehr bewusst wahr. Dass ich nun aber schon zum zweiten Mal umziehen musste, weil sich Nachbarn an meinen Fellnasen stören (obwohl kein plausibler Grund vorliegt), zerrt schon an den Nerven…Ich kämpfe jeden Tag für meine und andere Hunde, die zu Unrecht auf einer Liste stehen, die keinerlei Aussage über das Wesen von einzelnen Individuen treffen kann…
ana springfeldt
Ana: Die Rolle der Massenmedien a la Jauch, Bild, Mopo und leider sogar „seriöser“ Magazine ist maßgeblich an der Situation beteiligt. Im Grunde liegt die Hauptschuld bei ihnen. Die manipulative Kraft ist enorm. Ich würde nie so arbeiten. Wenn ich ein Thema bearbeite, dann beleuchte ich grundsätzlich alle Seiten und halte mich mit Urteilen zurück; so sollte Journalismus sein.

Lisa: Wie stehst du zu einem Hundeführerschein? Was würdest du dir für die Zukunft von unseren Listis wünschen?

Ana: Ich bin absolut für Sachkunde für alle Hundehalter, ausnamslos. Wer halbwegs lesen und schreiben kann, der sollte die Prüfung wohl noch hinkriegen und wenn nicht, ist er eine Gefahr, egal was für ein Hund ihm angehört. Damit stehe ich im Konflikt mit vielen aus der Szene. Ich erlebe leider, dass gerade Leute aus dieser Gruppe sich mit den Listen arrangiert haben. Viele halten sie unbewusst sogar für begründet. Es gibt da viel elitäres Getue. „So ein Hund gehört nur in hochqualifizierte Hände“. Wenn Hund Hund ist, dann widerspricht sich das. Um Unfälle zu vermeiden, was die höchste Priorität sein muss, braucht man strenge Leitlinien. Alle Hunde müssen von vorne herein gleich behandelt werden. Das passt den Labbi und Schäfihaltern nicht, denn es bringt ihnen die Unbequemlichkeiten, mit denen Listenhundehalter seit 2000 leben müssen. Deswegen sind diese Hundeleute natürlich gegen den Hundeführerschein. ana springfeldt
Bleibt die Frage, warum für mich nur diese Rasse in Frage kommt, denn das ist oft die „Frage, die sonst niemand stellt“

Es ist ihre einzigartige Menschenfreundlichkeit und unendliche Liebe und Hingabe. Die finde ich bei keiner anderen Rasse. Und das motiviert mich niemals diesen Kampf aufzugeben.

(…) Ist es die Tonnenbeißkraft? Die zweite Zahnreihe? Der Schalter im Kopf? Ist es gar seine Unfähigkeit loszulassen? Warum wird mir diese Frage nie gestellt? Das wäre zielführender, als all dieses Gelaber, das entsteht, sobald das Thema „Kampfhund“ angefeuert wird. Das fragt Niemand.Es gäbe aber völlig neue Aspekte. Ich würde sagen, ganz klar und eindeutig: es ist weil sie so krass sind. Krasser, als der Rest. Krasser, als alle Rassen, die ich kenne. Krass in ihrer Menschenbezogenheit. Krass in ihrer Hingabe und Liebe. Krass in ihrer unbekümmerten Lebensfreude. Krasser als der Rest! (…) www.springfeldtprofifoto.com

Mit welchen Problemen habt ihr als „Listi-Besitzer“ zu kämpfen, erzählt mir davon! Teilt dieses Interview als Stimme gegen Rass(el)isten!

9 Kommentare

  1. Manuela Grünberg

    Es gibt keine Kampfhunde !!! Und der größte Schwachsinn das von Bundesland zu Bundesland anders zu regeln . Meine in Berlin alles Okay fahre ich ein paar Meter weiter in Brandenburg sind es Kampfhunde

  2. Svenja Hudelmaier

    Den Begriff „Listenhund “ kann man ganz vergessen. Es wird kein Welpe bösartig geboren, es ist der Mensch der die Hunde zu sogenannten Listenhunde oder zu sogenannten Kampfhunden macht.

  3. Carina Schkölziger

    Hund ist Hund genauso wie Mensch ist Mensch. Es gibt überall „schwarze Schafe “ aber man darf nicht alle über einen.kam.scheren. Ich glaub so denken nur Menschen die sich mit diesem Thema nicht auseinander setzen und meist haben die selbst keine Hunde.

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